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Die Geschichte der Gemeinde Waldburg

Der Ort Waldburg, Mittelpunkt der gleichnamigen politischen Gebietskörperschaft mit derzeit rund 3.000 Einwohnern (einschließlich Teilorte), liegt am Fuß der gleichnamigen Burg, die eines der Wahrzeichen Oberschwabens darstellt und als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Süddeutschlands gilt, auf gut 700 Meter über Meereshöhe. Die Burg selbst erhebt sich 772 Meter über Meereshöhe auf einer nach allen Seiten steil abfallenden Moränenkuppe.

Über die frühe Geschichte des Ortes existieren kaum gesicherte Informationen. Um 860 gehörte das damals wohl nahezu unbebaute Gebiet der heutigen Gemeinde zur "Marca Arengaunensium", also zur Grenze des Argengaus, einem von 526 Gauen des damaligen Frankenreiches.

Die erste urkundliche Erwähnung von Waldburg datiert sich wahrscheinlich auf das Jahr 1147. Über die Namensgebung gibt es unterschiedliche Deutungen: Einerseits wird die Meinung vertreten, dass die exponierte Lage der Burg über dem damals sich weit ausdehnenden Altdorfer Wald namensgebend wirkte. Auf der anderen Seite läßt sich aufgrund früherer Schreibweisen ("Walpurch" bzw. "Walpure") auch vermuten, dass der Namensteil "Wal-" (= welsch) darauf hinweist, dass die Burganlage dort errichtet worden ist, wo sich einst ein römischer Wachturm befand.

Waldburg
Waldburg
Reichsapfel
Reichsapfel

Die Grundsteine für die Waldburg selbst wurden bereits Ende des 11. Jahrhunderts gelegt, als das Geschlecht derer von Waldburg von den Welfen ein Amtslehen erhielten. Die ältesten, heute noch bestehenden Gebäudeteile entstanden im 12. oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts, als die Burg Stammsitz des Hauses wurde.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Gebäude grundlegend umgebaut und der Palas der Burg bis zum zweiten Obergeschoß neu errichtet. Damit erhielt die Burg ihre Grundzüge, die sie bis heute prägen. Welche politische Bedeutung das Haus Waldburg damals hatte, läßt sich daran erkennen, dass unter dem Stauferkaiser Friedrich II. die Reichskleinodien von 1220 bis mindestens 1240 nachweisbar auf der Waldburg beherbergt waren.

Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Waldburg in den Besitz von Truchseß Georg IV überging, wurde die Burg zu einem schloßähnlichen Wohn- und Herrschaftssitz ausgebaut. Ab dem 17. Jahrhundert war die Waldburg nur noch sporadischer Aufenthaltsort der Herrschaft, so dass auch die Bautätigkeiten abnahmen.

Die Kirche St. Magnus wurde im Jahre 1327 erbaut. Sie beherbergt in einer Nische der Sakristei die Grabstätte des seligen Habnit (Habenichts). Der ursprüngliche Dorfhirte lebte im 16. Jahrhundert und war als Heiler von Kinderkrankheiten über die Region hinaus bekannt.

Die ersten Behausungen im Dorf unterhalb der Burg wurden ursprünglich überwiegend als einstöckige Holzhäuser in Blockbauweise und als Bohlenständer erbaut, wie sich aus der Rauch'schen Dorfansicht aus dem Jahr 1625 ersehen läßt. Um den Ortsrand zog sich ein zur Hälfte mit Wasser gefüllter Graben, der als Schutzwall diente. Heute zeugt noch der Flurname "Auf dem Graben" und der Straßenname "Am Wallgraben" von dieser Schutzeinrichtung.

Eine Feuersbrunst richtete in Waldburg im Jahr 1570, während des Dreißigjährigen Krieges 1632 und am 11. Mai 1724 verheerende Schäden an, unter denen die Bevölkerung sehr litt. Zur Entlastung bekamen die Bauern damals eine Reihe von für die damalige Zeit ungewöhnlichen Rechten verliehen, welche die vormals leibeigenen Untertanen zu freien Grundbesitzern machte. Hierzu gehörte unter anderem auch das Recht des freien Holzeinschlags und der Kiesausbeute. Im Gegenzug leisteten die Bauern den Truchsessen Kriegsdienste.

Die Gemarkungsgrenzen dieser so entstandenen und heute noch bestehenden "Realgemeinde" mit ihren Sonderrechten wurde dadurch sichtbar verdeutlicht, dass um die 34 Häuser, die zur "Realgemeinde" zählten, eine Eisenkette gezogen wurde und so das Gemeindegebiet markiert wurde. Innerhalb dieser Grenzen herrschte der sogenannte Burgfrieden, das heißt, jeder durfte sich frei bewegen und Streitigkeiten waren untersagt. Wer dagegen verstieß, wurde hart bestraft.

Scharfrichter war der jeweilige Eigentümer der Taverne am Dorfplatz (heute Hotel Krone). Das Gericht hielt der vom Truchsessen bestellte Gerichtsamann, an dessen Haus als äußeres Zeichen der Gerichtsbarkeit auch der Pranger angebracht war.

Rauch'sche Ansicht
Rauch'sche Ansicht
Gemeinde Waldburg
Gemeinde Waldburg

Doch dem Amann unterstand damals nicht nur das Gerichtswesen, sondern auch die Verwaltung. Als der letzte Amann 1632 starb und zu der "Realgemeinde" in der Folgezeit weitere Häuser hinzugebaut wurden, richtete man in Waldburg daneben das Schultheissenamt zur Verwaltung ein. Zunächst zählten zum Amtsbereich dieses Schultheissen neben dem Ort Waldburg die Gehöfte Vorder- und Hinterwiddum, Ried, Bauernmühle, Blauensee, Niggel, Badstuben, Rotenburg, Hecker und Widmannsbronn.

Im Rahmen von Umstrukturierungen in den angrenzenden Pfarreien zwischen 1808 und 1820 wurden dem Schultheissenamt Waldburg nach und nach weitere Parzellen aus der Nachbarschaft unterstellt. Seit 1826 besteht die Gemeinde Waldburg mit dem Hauptort und den Teilorten, Weilern, Gehöften und Parzellen auf einer Gesamtfläche von etwa 22,70 qkm nahezu unverändert.

Während der Ort im Jahr 1836 bereits 1163 Einwohner aufwies, stagnierte der Bevölkerungszuwachs in den folgenden Jahrzehnten. Die Land- und Forstwirtschaft bildete damals für die meisten Menschen die Lebensgrundlage. Erst seit Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl durch die Ausweisung von neuen Wohngebieten kontinuierlich an und hat sich von 1330 Einwohnern im Jahr 1950 bis heute mehr als verdoppelt.

Mit der Zunahme der Bevölkerung ging auch ein Wandel in der Erwerbstätigkeit einher. Obwohl es in der Gemeinde selbst kaum eine Industrieansiedlung gab, ging die Zahl der in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten stetig zurück. Dafür entstanden in Waldburg neue Arbeitsplätze im Gewerbe, Handel und Dienstleistungsbereich. Daneben boten sich in den Industriebetrieben, im Handel und in den Dienstleistungsberufen im nahe gelegenen Schussental viele neue Erwerbsmöglichkeiten. Heute pendelt eine beträchtliche Zahl berufstätiger Einwohner täglich in das Oberzentrum Ravensburg/Weingarten.